Chronik

Am 1. Januar 1905 trafen sich rund 20 Personen im Lokal „Zum grünen Baum“ in der Schäfergasse und gründeten den Zitherverein Edelweiß. Die Idee zu dem Zusatz Edelweiß stammte von Hans Maier. Erster Vorsitzender und gleichzeitig Dirigent wurde Curt Jahn. Zu den weiteren Vereinsgründern gehörten Heinrich Seibel, Carl Rohrbach, Heinrich Fritz, Bernhard Lambrecht, Jakob Keiner, Jean Walzer, Friedrich Wörner, Wilhelm Walzer, Wilhelm Klobedanz, Adam Quell, Heinrich Stern, Heinrich Weber, Konrad Endholz, Johannes Wörn, Christian Reuhl, Heinrich Heck und Philipp Maisch. Bald wurden Vereinsstatuten ausgearbeitet. Regelmäßige Übungsstunden sollten montags und freitags stattfinden.

Am 10. März 1913 wurde im Gasthaus „Kaiser Friedrich“ (heute: „Dorfschänke“) der Zither- und Mandolinenclub gegründet. Gründungsmitglieder waren: Curt Jahn, Friedrich Wörner, Heinrich Heß, Leonhard Jäger, Peter Kaiser, Johannes Walzer, Joh. Krebs, Wilhelm Goßmann, Wilhelm See, Joseph Merget, Georg Rasparofwsky, Louis Blumenthal, Johannes See, Werner Schäfer, Peter Grimm, Heinrich Seibel, Wilhelm Mayer. Darunter befanden sich auch einige „Abtrünnige“ des Zithervereins Edelweiß, welche sich nach Streitigkeiten von diesem Verein getrennt hatten. Zum 1. Vorsitzenden und Dirigenten wurde auch hier Curt Jahn gewählt. Schon im folgenden Jahr stellte der Verein sich mit einem Konzert der Öffentlichkeit vor. Der „Rivale“ Zitherverein Edelweiß empfahl seinen Mitgliedern dieses Konzert nicht zu besuchen.

Durch den 1. Weltkrieg kam das Vereinsleben zum Erliegen. Anfang 1919 fanden dann wieder Versammlungen und Übungsstunden statt. Der Zither- und Mandolinenclub schlug vor, die beiden Vereine zusammenzuschließen. Dies wurde jedoch von der Mitgliederversammlung des Zithervereins Edelweiß im April 1919 einstimmig abgelehnt.

Der wirtschaftliche Niedergang nach dem Ende des 1. Weltkrieges berührte auch die beiden Bischofsheimer Vereine. 1923 wurden Monatsbeitrag und Eintrittsgeld aufgrund der fortschreitenden Inflation mehrmals erhöht. Im August stellte der Kassierer des Zitherverein Edelweiß schließlich den Antrag, keinen bestimmten Beitrag zu erheben, sondern im Bedarfsfalle eine Sammlung bei den Mitgliedern durchzuführen.

Trotz dieser schwierigen Zeit beschloss die Mitgliederversammlung des Zithervereins Edelweiß im August 1923, eine Vereinsfahne anzuschaffen. Zur Mittelbeschaffung wurde im Januar 1924 ein Fonds eingerichtet, in den jedes Mitglied mindestens 5 Goldmark einzahlen musste; Ratenzahlung wurde ermöglicht. Zum Fahnenträger wurde Christian Reuhl bestimmt, Fahnenjunker wurden Hans Maier und Ludwig Pohl. Am 21. April 1924 wurde die Fahne dann im Rahmen eines Konzertes im Vereinslokal „Zum grünen Baum“ feierlich eingeweiht.

1926 trat der Zither- und Mandolinenclub dem Süddeutschen Zitherbund bei, 1927 folgte der Zitherverein Edelweiß.

Zither- und Mandolinenclub 1928

Der Zither- und Mandolinenclub beging am 9./10. Juni 1928 sein 15jähriges Bestehen mit akademischer Feier, Konzert und einem Gartenfest. Das Jubiläum wurde gleichzeitig zum Anlass genommen, eine Vereinsfahne anzuschaffen.

Zitherverein Edelweiß 1930

Am 11./12. Oktober 1930 beging der Zitherverein Edelweiß sein 25jähriges Vereinsjubiläum mit einer akademischen Feier, einer Gedenkfeier für die Gefallenen und Verstorbenen und einem Konzert mit anschließendem Tanz. Außerdem wurde eine Plakette mit den Namen der Gründer angefertigt und im Vereinslokal aufgehängt.

Ende 1930 wechselte der Zitherverein Edelweiß nach Unstimmigkeiten mit dem Wirt Reuhl zum Lokal Ebert.

1931 trat der Zither- und Mandolinenclub aus dem Süddeutschen Zitherbund wieder aus. 1933 musste der Verein jedoch in den Reichsverband für Mandolinenmusik eintreten, da es eine neue Bestimmung gab, wonach nur Mitglieder dieses Verbandes Aufführungsrechte für Musikstücke erhielten.

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten brachte auch für die beiden Vereine größere Veränderungen: sie wurden gleichgeschaltet. In Ortschaften unter 5000 Einwohnern durfte es nicht mehrere Vereine mit gleicher Betätigung geben. Daher mussten die Vereine zusammengeschlossen werden. Wäre keine Einigung erzielt worden, hätte man einen der Vereine aufgelöst. Die Vorstände beider Vereine tagten mehrmals unter kommissarischer Leitung des Volkspropagandawarts Philipp Hofmann und handelten die Bedingungen aus. Auf der ersten gemeinsamen Generalversammlung am 20.01.1934 in der Turnhalle in der Jahnstraße wurde Rudolf Ortmann vom Zither- und Mandolinenclub als Vereinsführer vorgeschlagen, Ernst Seiboldt vom Zitherverein Edelweiß als Dirigent. Schwieriger gestaltete sich die Einigung über das Vereinslokal. Schließlich entschied man sich für die Gaststätte „Kaiser Friedrich“. Bereits am 2. Osterfeiertag 1934 wurde in der Turnhalle das erste gemeinsame Konzert durchgeführt. Den beiden Vereinen gehörten vor dem Zusammenschluss jeweils zwischen 30 und 40 Mitgliedern an, nach dem Zusammenschluss 1934 waren es dann 62 Mitglieder. Die Mitgliederzahl nahm jedoch in den folgenden Jahren kontinuierlich ab.

1936 wurde eine neue Vereinssatzung verabschiedet. 1938 war das weitere Bestehen äußerst zweifelhaft. Es wurde beschlossen, für ein halbes Jahr keine Übungsstunde abzuhalten, da zu wenige Spieler- z.B. wegen Heeresdienst- anwesend waren.

Die erste Mitgliederversammlung nach Kriegsende fand 1948 statt. Das Vereinsinventar wurde größtenteils vom Krieg verschont. Der Verein verzeichnete ein Jahr später 13 aktive Spieler bei insgesamt 38 Mitgliedern. Vereinslokal wurde die Gaststätte der Metzgerei Ebert in der Obergasse.

50-jähriges Jubiläum

Da erst die Fertigstellung der neuen Turnhalle am Wald abgewartet werden musste, wurde das 50jährige Vereinsjubiläum 1956 mit einjähriger Verspätung begangen.

Gegen Ende der 50er Jahre kam es zwischen dem Dirigenten Alois Schreiner und einem Orchestermitglied zu Unstimmigkeiten, die sich so lange zuspitzten, bis sich der Dirigent schließlich genötigt sah, seinen Posten aufzugeben. Als Nachfolger wurde 1958 Ludwig Adlhoch engagiert. Dies war der Beginn einer jahrzehntelangen sehr guten „Beziehung“. Herr Adlhoch bildete in den 60er bis 80er Jahren zahlreiche Kinder und Jugendliche in Bischofsheim und Umgebung an Gitarre und Mandoline aus. Einige davon traten in den Verein ein und spielten im Orchester. So war über lange Jahre für Nachwuchs gesorgt.

1980 veranstaltete der Verein ein großes Jubiläumskonzert. Drei Jahre später wurde Ludwig Adlhoch für seine 25jährige Dirigententätigkeit mit einem Konzert und der Ehrenmedaille der Stadt Maintal in Bronze geehrt.Seit Anfang der 80er Jahre gewann der Verein zahlreiche neue Mitglieder, sodass 1990 über 90 Mitglieder gezählt wurden. Verantwortlich für diesen starken Anstieg dürften einerseits die 6-Tage-Fahrten gewesen sein, die der damalige 1. Vorsitzende Hans Grimm organisierte. Andererseits traten in dieser Zeit viele Jugendliche ein und spielten für einige Jahre im Orchester. In diesen Spitzenzeiten spielten rund 25 Aktive im Orchester. Aus der Jugendarbeit gingen 1982 die „Racletts“ hervor, eine Gesangsgruppe, deren Mitglieder auch im Orchester aktiv sind.

Mit 80 Jahren (1992) wollte Ludwig Adlhoch schließlich den Taktstock aus der Hand legen. Bei seinem Abschiedskonzert wurde ihm von Landrat Eyerkaufer der Ehrenbrief des Landes Hessen überreicht. Nachdem aber kein geeigneter Nachfolger gefunden werden konnte, leitete er das Orchester noch weitere zwei Jahre.
Schließlich meldete sich im Frühjahr 1994 auf einen Aushang in der Musikschule die Musik- und Kunstpädagogin Christa Keller und übernahm bald auf Vorschlag von Herrn Adlhoch den Dirigentenstab. Als Kapellmeisterin sorgte sie für frischen Wind mit – für uns – neuen Spieltechniken und neuen Stücken (viel Folklore, Popsongs). Trotzdem nahm die Zahl der aktiven Spieler nach dem großen Konzert anlässlich des 90-jährigen Bestehens des Vereins im Oktober 1995 ab. Deshalb gehörten die „großen“ Konzerte im Bürgerhaus erst einmal der Vergangenheit an. Seit 1997 lädt der Verein zu den „Saitensprüngen“ – gemütlichen Konzerten im evangelischen Gemeindehaus bei Kaffee und Kuchen – ein. Zur Jahrtausendwende erhielt das Orchester Zulauf von einigen Spielern aus anderen Orchestern, so dass sich das Orchester zurzeit aus 18 Spielern zusammensetzt: fünf 1. Mandolinen, zwei 2. Mandolinen, eine Mandola, 8 Gitarren, eine Zither und ein Akkordeon.
Nach jahrelangen Diskussionen und vereinsinternen Umfragen wurde in der Jahreshauptversammlung 2003 beschlossen, den Vereinsnamen in „Mandolinenorchester Bischofsheim 1905“ zu ändern.

Am Samstag, den 19. März 2005 veranstaltete das Mandolinenorchester anlässlich des 100-jährigen Vereinsbestehens ein Jubiläumskonzert. Dirigentin Christa Keller und ihr 18-köpfiges Orchester präsentierten den rund 300 begeisterten Besuchern ein abwechslungsreiches Programm. Helmut Siebert umrahmte die Musikstücke mit einem Streifzug durch die Vereinsgeschichte, die außerdem in einer Ausstellung im Foyer dokumentiert wurde.

Konzert zum 100-jährigen Jubiläum

Ausstellung zur 100-jährigen Vereinsgeschichte – Diashow

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